Bernd Weikl - sein Leben und seine Vorfahren

Vortrag Bernd Weikl, 07.05.2011:

Meines Vaters Genealogie läßt sich aus den wenigen erhaltenen Dokumenten bis zu einem Wolff Weickhl zurückverfolgen, der 1581 für seinen Bauernhof auf dem Gebiet der Hauptmannschaft Schweinhütt – heute in Regen - mit jährlich fünfzehneinhalb Pfund Schmalz besteuert wird.

Dann wird mein achtfacher Urgroßvater, Paul Weickhl aufgeföhrt, als er sich 1655 aus der Kirchenkasse in Zwiesel hundert Gulden leiht, welche mit fünf Prozent jährlich verzinst werden.

Sein erster Sohn, Matthias Weikl, mein siebenfacher Urgroßvater wandert hinauf nach Bodenmais am Arber und heiratet dort die Witwe des Obermüllers. Von ihm stammen Hunderte von Weikls in Bodenmais ab – und sicherlich sind es auch noch viel mehr .

Mein dreifacher Urgroßvater, Franz Joseph wird 1804 geboren. Er ist, wie ein großer Teil dieser Sippe, im örtlichen Bergbau beschäftigt und wird als Bote zur „Welt da draußen“ eingesetzt. Er trägt die Post in die nahe Kreisstadt, holt dort Schriftstücke ab und bringt auf seinen wöchentlichen Fußmärschen auch die Fleischrationen für die vornehmen Herren der Bergwerksdirektion mit zurück nach Bodenmais.

Da der Erstgeborene den Vornamen seines Vaters tragen soll - und teilweise ist dies heute noch der Brauch – folgen der zweifache Urgroßvater Franz Joseph, der Urgroßvater Josef dann 1851 und mein Großvater Josef 1878.

Mein Vater Otto wird 1914 geboren und überlebt den Krieg. Seine drei Brüder sind in Russland geblieben.

Vaters Schwester ist mit dem Zimmer-Honi Franz verheiratet. Da oben in Blachendorf oberhalb Oberried oder Drachselsried. Der Franz heißt eigentlich Geiger, aber man kennt ihn besser unter seinem Hausnahmen Zimmer-Honi.

Da gibt es zunächst drei Kinder, Marianne, Franz und Hilde. Später noch zwei Nachzügler, Erwin und Günther.

Und es gibt Bienenstöcke, eine Kuh, Ziegen, Enten, Tauben, Katzen, einen Hund ... , Wasser im Brunnen auf der Wiese vor dem Haus und vieles Interessantes mehr.

Von dort ist es ein kurzer Weg zum Austragshäusl der Urgroßeltern. Die Urgroßmutter schimpft bei jeder Gelegenheit auf den Napolium - wie sie ihn nennt -, und Urgroßvater züchtet Waldvögel in Steigen an einer Wand der kleinen Stube. über dem alten eichenen Küchentisch hängt die Petroleumlampe. Elektrisches Licht gibt es nicht.

Mit  dem Vogl Oskar, dem Kinderfreund aus dem Nachbarhaus in Bodenmais hüte ich seine einzige Kuh: Ganz oben, auf der letzten Wiese vor dem Hochwald in Richtung Schöneben. Wir drehen uns Zigaretten aus dürrem braunen Farnkraut in Zeitungspapier eingerollt. Der beißende Rauch lässt uns husten, und im Magen geht es uns schlecht.

Wir stauen schmale Bäche, fangen mit der bloßen Hand Forellen und braten sie auf dünne Zweige gesteckt ¸ber einem Feuer. Alles verbotene Handlungen!

Für unsere ersten Schreibversuche gibt es Schiefertafeln und Griffel, aber auch gespitzte Gänsekiele und Papier, das aus amerikanischen Armeebeständen sein könnte. Zur Währungsreform schickt mich die Lehrerin, Frau Klee zum Marktplatz. Ich darf Geld holen und muss meine erste Unterschrift leisten. Bernd Weikl 1948 !!!

Nach dem Unterricht ist Schulspeisung, im Keller des Hauses. Aus einem großen Waschkessel werden Suppen ausgegeben. Deshalb hängen wir Kinder immer einen Becher an den Schulranzen.

Heute sind im Telefonbuch unter Bodenmais über 70 Eintragungen mit Namen Weikl zu finden. Rechnet man dies hoch, dürften etwa 300 bis 400 Personen in Bodenmais diesen Familienamen tragen. Die Bod’n, die Schrouder, die Herrmüller usw.. An diesem hohen Weikl-Aufkommen bin ich persönlich unschuldig –

Allerdings gibt es auch außerhalb des Kurortes noch Weikl bis hin nach Amerika, wo ich vor Jahren die Familie Roman Weikl besuchte, den Bruder der Ölschlager Fanny. Und der Helmut Weikl – Bruder des ehem. Altbürgermeisters Siegfried Weikl – dieser Helmut war ausgerechnet Beamter beim Finanzamt in Los Angeles. Das ihm so etwas nicht unangenehm war ..?!

Seit dem dreifachen Urgroßvater sind alle meine männlichen Vorfahren in diesem Alten Rathaus zur Schule gegangen. Ich habe dann drei Jahre lang das jetzige Schulhaus am Lehen besucht, bevor ich nach Mainz am Rhein in ein Gymnasium eingeschult wurde und später auch die dortige Universität besuchte.

An der Musikhochschule in Hannover wurde ich zum Opernsänger ausgebildet und gleich an das dortige Theater engagiert. Das war 1968. Und bereits 1972 begann meine Weltkarriere, die mich beinah 40 Jahre lang rund um den Globus schickte. Da gab es auch wöchentlich schon mal zwei Flüge von Wien nach New York und zurück.

Meine künstlerische Tätigkeit umfasste gleichzeitig das italienische, deutsche, französische und russischen Opernfach. Alles in Originalsprache.

25 Jahre Solist der Bayreuther Festspiele,

20 Jahre an der Metropolitan Opera New York

25  Jahre an der Covent Garden Opera in London

20 Jahre an der Scala di Milano:

32 Jahre und ca. 450 Abende an der Staatsoper Wien

30 Jahre in Japan

25 Jahre an der Staatsoper München

17 Jahre an der Staatsoper Hamburg

An der Deutschen Oper Berlin und Staatsoper Berlin, in Paris, Barcelona, Los Angeles, San Francisco, Lissabon, Luxor, Tel Aviv, Moskau und an vielen anderen Opern- und Konzerthäusern auf der ganzen Welt.

Prof. Peter Bendixen und ich haben als Co-Autoren eine Neue Einführung in die Kultur- und Kunstökonomie geschrieben. Das Buch wird in wenigen Tagen beim VS-Verlag Wiesbaden erscheinen.

Im Juli vergangenes Jahr habe ich die Oper “Falstaff” von Giuseppe Verdi inszeniert und auch die Titelpartie selber gesungen und gespielt.

Diese Arbeit wurde als Film aufgezeichnet und wird in Kürze als DVD auf dem Markt erscheinen. Morgen aber, um 19:00 wird dieser Film hier bei Joska in der Waldglashütte gezeigt. Der Eintritt ist frei.

Die bayerische Volksmusik, gespielt von Martin Wölfl und Stefan Stern habe ich mir gewünscht. Diese Musik in ihrer Reinheit war immer und in jedem Land Basis für die regionalen klassischen Komponisten. Mozart hat sich an der alpenländischen Volksmusik orientiert, um seine Werke zu schreiben, Bela Bartok an der ugarischen, Tschaikowsky an der russischen und Sibelius an der skandinavischen. Meine ganze Unterst¸tzung gilt dieser in unserer Region gewachsenen und Identität stiftenden Kultur, die heute leider zunehmend verdrängt wird.   

Ich bin meinen Bodenmaiser Freunden und Verwandten ¸beraus dankbar, dass ich mit dieser schönen Möglichkeit der Dauerausstellung und als Bronzekopf vor dem Eingang des Alten Rathauses in Bodenmais verewigt bin.

Ich danke allen sehr herzlich für’s Zuhören.